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Aktuelles

17.10.2018

Rückblick: Workshop "Global Health in Academic Medicine" auf dem World Health Summit 2018

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Charité-Dekan Axel Pries diskutiert mit Universitätsvertretern aus aller Welt über Global Health

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Dekane, Professoren, Dozierende und Studierende aus aller Welt diskutierten auf dem World Health Summit 2018 über Global Health an Einrichtungen der Universitätsmedizin. In der Session „How to Develop Global Health in Academic Medical Centers” am 16. Oktober berichteten Universitätsvertreter aus den USA, dem Iran, Uganda und Deutschland, darunter der Dekan der Charité Axel Pries, von Modellen, Erfolgen und Herausforderungen.

An US-amerikanischen Universitäten ist Global Health schon seit mehr als einem Jahrzehnt ein Thema. In den letzten Jahren wurde nicht nur kontrovers über mögliche Definitionen von „Global Health“ diskutiert, sondern auch enge Partnerschaften und eigene Standorte in aller Welt aufgebaut. Zu den treibenden Kräften dieser Entwicklung gehörten der Moderator der Session, Prof. Dr.Michael Merson (Duke University) sowie Prof. Dr.Judith Wasserheit (University of Washington). An vielen Universitäten bestehen inzwischen große Zentren für Global Health, teilweise mit eigenen Professuren und spezifischen Programmen für verschiedene Zielgruppen und Karrierestufen. Finanziert werden diese Programme von den Universitäten, Gesundheitsystemen, aus öffentlichen Fördermitten oder Stiftungsgeldern. Sie haben sich im Consortium of Universities for Global Health (CUGH) zusammengeschlossen.

In Deutschland wurde das Thema von Studierenden vorangetrieben, noch bevor Universitäten anfingen, eigene Programme aufzulegen. Davon berichtet Karin Geffert von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd), die sich seit Jahren erfolgreich für eine Ausweitung von Global Health Education einsetzt. Die Arbeitsgruppe "Global Health" wurde bereits vor neun Jahren gegründet und setzt sich für eine Ausweitung der Programme ein, aber auch dafür, dass Global Health Education Eingang in breitere Strategien zu Public oder Global Health findet, da junge Leute später die Gesundheitssysteme gestalten werden. Sie möchten einerseits Auslandserfahrung sammeln, aber auch etwas über die sozialen Determinanten von Gesundheit lernen. Heute haben sich die Angebote an den Universitäten vervielfacht; viele davon gehen allerdings auf freiwillige Initiativen von Studierenden und Dozenten zurück und sind daher nicht immer nachhaltig.

Das kontinuierlich steigende Engagement der Bundesregierung in Sachen Global Health und der damit einhergehende Bedarf an wissenschaftlicher Beratung und Expertise führt nun dazu, dass sich immer mehr Akteure zu diesem Thema positionieren. Prof. Dr. Axel Pries stellte in diesem Zusammenhang die Plattform „Charité Global Health“ vor, die die Charité erst vor wenigen Wochen gegründet hat, um die bestehenden Aktivitäten einzelner Forschender, Ärzte und Studierender zu bündeln und damit Informationsaustausch, Sichtbarkeit und auch den Zugang zu Fördermitteln zu verbessern.

An der Teheran University of Medical Sciences nimmt man das Thema Global Health insbesondere aufgrund der zahlreichen Krisen und Konflikte, aber auch Naturkatastrophen in der gesamten Region sehr ernst. Gemeinsam mit internationalen Partnern wurden neue Lehrformate und Forschungsansätze entwickelt, die sich mit Global Health Themen befassen. Allerdings, so Prof. Dr. Ali Jafarian, müssen Universitäten immer Lösungen zu akuten und oft regional begrenzten Probleme anbieten können, weswegen Programme an solche konkreten Anforderungen angepasst sein müssen.

Auch an der Makerere University in Uganda hat man große Anstrengungen übernommen, um die eigenen Studierenden fit zu machen für die Anforderungen in einer globalisierten Welt. Dazu gehört unter anderem ein problembasierter, interdisziplinärer Ansatz, bei dem Studierende der Gesundheitwissenschaften gemeinsam mit ihren Kommilitonen aus anderen Bereichen wie Ingenieurs- oder Sozialwissenschaften Lösungen für konkrete Probleme in den Gemeinden entwickeln. Prof. Dr. Charles Ibingira berichtete weiterhin, dass Makerere jährlich etwa 500 Studierende von den Partneruniversitäten in den USA und Europa aufnimmt, die in den Lehrkrankenhäusern und ländlichen Gemeinden Famulaturen und Rotationen absolvieren.

Umso bedeutender ist es daher, dass Nord-Süd-Partnerschaften für beide Seiten gewinnbringend sind. Verschiedene Modelle, wie das gelingen kann, stellte Prof. Dr. Asghar Rastegar von der Yale University vor. Über lange Jahre wurden Partnerschaften (unter anderem mit Makerere) etabliert, die insbesondere darauf abzielen, die Quantität und Qualität der Ausbildung von Gesundheitspersonal zu steigern. Die inhaltlichen Schwerpunkte wurden nach und nach erweitert. Regelmäßig werden auch Studierende und Assistenzärzte zu Kurzaufenthalten nach Yale eingeladen, die nach ihrer Rückkehr die erworbenen Kenntnisse in ihrem Heimatland anwenden und weitergeben. Entscheidend ist dabei, solche Teilnehmer auszuwählen, die mit einiger Sicherheit in das Herkunftsland zurückgehen, beispielsweise, weil dort eine feste Stelle auf sie wartet. Über die Jahre hat man in Yale funktionierende Kriterien erarbeitet.

Auch wenn es manchmal schwierig sei, eigene Global Health Programme aufzubauen, sollte Studierenden der Gesundheitswissenschaft dennoch unbedingt grundlegende Global Health Inhalte zugänglich gemacht werden, ergänzt Prof. Dr. Oliver Razum. Dies erweitere einerseits den Horizont, andererseits haben Global Health-Themen wie Flüchtlingsgesundheit direkte Auswirkungen auf lokale Gesundheitssysteme. Global Health ist ein geeignetes Thema für die Verankerung der Sustainable Development Goals an den Universitäten.

Prof. Dr. Wasserheit erläutert in diesem Zusammenhang eine Art gestuftes oder Pyramidenmodell: alle Studierenden der Medizin und Gesundheitswissenschaften sollten eine Einführung in Global Health Themen bekommen, so dass sie ein Bewusstsein für Themen wie die Rolle von Geographie und Armut für Gesundheit, Infektions- und Tropenkrankheiten, nicht-übertragbare Erkrankungen im globalen Kontext, Mütter- und Kindergesundheit, Ernährung, Klimawandel und Flüchtlingsgesundheit entwickeln. Interessierte Studierende können diese Inhalte in weitere Kursen oder bei Auslandsaufenthalten vertiefen. Spezielle Programme wie Masterstudiengänge sind in erster Linie für Studierende interessant, die eine Karriere in diesem Bereich anstreben.

Teilweise kontrovers wurde über die Frage diskutiert, ob und wie Global Health definiert werden muss – ist Global Health dasselbe wie Public Health oder wie Tropenmedizin? Gehören die sozialen, ökonomischen und Umweltdeterminanten von Gesundheit nicht unbedingt dazu? Ist eine Definition unerlässlich, um ein Curriculum oder Förderprogramme entwickeln zu können? Oder führt eine Festlegung gar dazu, dass neue Grenzen zwischen Disziplinen aufgezogen und innovative, kooperative Ansätze im Keim erstickt werden?

Zu den großen Herausforderungen in der Global Health Forschung zählen insbesondere die sehr unterschiedlichen Fächerkulturen, Weltanschauungen, Fördermodelle und Anreizsysteme der an Global Health beteiligten wissenschaftlichen Disziplinen. Einige Einrichtungen berichteten außerdem von Schwierigkeiten, Aktivitäten im Bereich Global Health zu finanzieren. Oft hängt das damit zusammen, dass Global Health (noch) kein offizieller Bestandteil der Ärzteausbildung ist.
Umso wichtiger ist es, miteinander im Gespräch zu bleiben, Aktivitäten ggf. zu bündeln und gegenüber der Politik und Fördereinrichtungen die Bedeutung von Global Health immer wieder zu betonen, damit Universitäten, ihre Mitglieder und Absolventen ihren Teil zur Erreichung der Sustainable Development Goals beitragen können.

Der World Health Summit gilt als eines der bedeutendsten Foren für globale Gesundheitsfragen. Die Charité, Makerere University und Tehran University of Medical Sciences sind Mitglieder der M8 Alliance, des akademischen Thinktanks des World Health Summit.

Links

https://www.registration-whs.com/Program/Session/WHS2018/WS-24

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